In der vergangenen Woche ist in der Wohnmobil-Welt einiges passiert: Volkswagen hat erstmals gezeigt, wie ein elektrischer California aussehen wird — die Studie ID. California Cruise mit 86 kWh Batterie und bis zu 455 km Reichweite; Chamonix hat das nächtliche Abstellen von Wohnmobilen in Naturzonen von Mai bis Oktober verboten; in Frankreich wurde wegen Waldbränden ein Campingplatz mit 1200 Gästen geräumt; und ein Serbe, der 34 Jahre als Lkw-Fahrer gearbeitet und drei Herzinfarkte überstanden hat, verkaufte seine Wohnung in Belgrad und zog in einen Camper.
Das Wichtigste der vergangenen Woche
- Volkswagen zeigt auf dem Caravan Salon in Düsseldorf (28. August bis 6. September) die Studie eines elektrischen Campers: ID. California Cruise auf Basis des ID. Buzz — 86 kWh Batterie, bis zu 455 km Reichweite, Serienversion bis 2028.
- Der Bürgermeister von Chamonix hat eine Verfügung unterzeichnet, die das nächtliche Abstellen von Wohnmobilen in Naturzonen und auf gewöhnlichen Parkplätzen von Mai bis Oktober verbietet — übernachten darf man nur noch auf Campingplätzen und ausgewiesenen Stellplätzen.
- Im französischen Pas-de-Calais wurden wegen zweier Waldbrände rund 1200 Menschen von einem Campingplatz evakuiert, und auf der A46 bei Lyon blockierte ein brennendes Wohnmobil den Verkehr in beide Richtungen und legte den Zugverkehr lahm.
- Auswertung von ACSI: Von 10 000 europäischen Campingplätzen nehmen 90 nur Erwachsene auf — in fünf Jahren ist ihre Zahl um 41 % gestiegen, von 64 im Jahr 2021.
- Der normannische Hof La Chèvre Rit nimmt seit 2020 kostenlos Wohnmobile zwischen seinen Ziegen auf: Im Juli 2026 standen dort 70 Fahrzeuge.
Volkswagen zeigt, wie der elektrische California aussehen wird
Der California ist der bekannteste Camper Europas: ein kompakter Kastenwagen mit Aufstelldach, mit dem mehrere Generationen von Reisenden groß geworden sind. Die ganze Zeit über blieb er ein Diesel, und die Frage «was passiert, wenn der Diesel aus den Städten und Alpentälern verdrängt wird» blieb offen. In der vergangenen Woche kam die Antwort: Volkswagen Nutzfahrzeuge hat die Arbeit an einem vollelektrischen Mitglied der California-Familie bestätigt — und an einer ganzen Reihe elektrischer Camper. Die erste Studie, der ID. California Cruise auf Basis des ID. Buzz, wird auf dem Caravan Salon in Düsseldorf gezeigt, der vom 28. August bis 6. September läuft.
Die Zahlen stehen bereits fest, und sie sind wichtiger als die Premiere selbst. Die Studie hat eine 86-kWh-Batterie und bis zu 455 Kilometer Reichweite, die Serienversion ist für 2028 angekündigt. Parallel dazu löst Volkswagen das größte Problem eines elektrischen Campers — das Leben auf dem Stellplatz ohne Steckdose: Für den ID. Buzz gibt es ein «Gute Nacht»-Paket mit Bett, Verdunkelung und Nachtmodus für bis zu 48 Stunden sowie bis zu 2000 Watt für Haushaltsgeräte, bestellbar ab September. Das Fahrzeug kann also zwei Tage lang als Wohnraum dienen, ohne den Motor zu starten und ohne an die Säule zu müssen.
Die zweite Lösung hat mit Strom gar nichts zu tun. Gemeinsam mit dem Start-up Stuff Bubble haben die Wolfsburger eine aufblasbare Küche und ein aufblasbares Bett für den California Beach entwickelt: Die Module wiegen zusammen weniger als 22 kg, die Küche allein unter 10 kg, und sie sind in Minuten auf- und wieder abgebaut. Das ist die Antwort auf eine alte Rechnung: Bei einem kompakten Camper geht jedes Kilogramm Möbel von der Zuladung ab — und bei der elektrischen Version zusätzlich von der Reichweite. Aufblasbare Möbel geben die Küche dann, wenn man sie braucht, und den Kofferraum zurück, wenn nicht. Setzt sich das durch, ziehen andere Hersteller nach — im kompakten Segment ist Gewicht längst teurer als Holz.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie sich gerade nach einem kompakten Camper umsehen, warten Sie nicht auf den elektrischen California: Die Serie ist für 2028 angekündigt, bis dahin ist das eine Messestudie. Rechnen Sie dafür mit Bewegung bei den Preisen der Diesel-California — Hersteller stützen die Nachfrage nach der auslaufenden Generation üblicherweise mit Rabatten, und der kommende Winter ist dafür günstig. Wenn Sie bereits elektrisch fahren und ans Übernachten denken, prüfen Sie bei Ihrem Fahrzeug nicht die Reichweite, sondern die Möglichkeit, Strom an Haushaltsgeräte abzugeben: Ohne sie wird eine Sommernacht zur Wahl zwischen Klimaanlage und der Etappe von morgen. Und schauen Sie sich die aufblasbaren Möbel an, auch wenn Sie einen ganz normalen Kastenwagen fahren: Eine abnehmbare Küche mit 10 kg ist ehrlicher als eine eingebaute mit 40 — Sie nehmen sie nur auf die Reisen mit, auf denen Sie wirklich kochen. Wiegen Sie vor dem Kauf jedes kompakten Campers das Fahrzeug fahrfertig, mit Wasser und Gepäck: Das Überschreiten der zulässigen Gesamtmasse ist das häufigste und teuerste Bußgeld in Europa.
Kurz notiert
- Deutschland, Technik: Hymerⓘ hat die Baureihe Crossover 2027 vorgestellt — ML-T 570 und Grand Canyon S 600 auf Basis des Mercedes-Benz Sprinter mit Allrad, Motor- und Tankschutz sowie geländetauglichen Reifen. Allradantrieb ist keine Ausnahme mehr, sondern eine normale Position in der Preisliste.
- Deutschland, Messetrends: Auf dem 65. Caravan Salon wachsen allradgetriebene und autarke Wohnmobile, während klassische Wohnwagen Käufer verlieren. Europa geht denselben Weg wie die USA: Die Leute wollen dort stehen, wo es keine Stromsäule gibt.
- Deutschland, Oberklasse: Vario Mobil zeigte den zwölf Meter langen Perfect 1200 QS Platinum für 2,2 Millionen Euro — mit vier Slide-outs und einer Garage für einen Oldtimer im Inneren.
- Deutschland, Gelände: Laske Expedition hat den Wandler Turtle E410 auf Basis des Iveco Daily 4x4 ab 345 000 Euro vorgestellt — mit Aufstelldach und ausfahrbaren Segmenten.
- Großbritannien, Mikrocamper: Wellhouse Leisure hat einen 371 Zentimeter kurzen Camper auf Basis des Mitsubishi Delica D:2 ab 19 500 Pfund gebaut — mit L-förmiger Küche, Einzelbett und Toilette. Das Fahrzeug ist kürzer als viele Pkw, und übernachten kann man darin trotzdem.
- USA, Produktion: Winnebagoⓘ schließt das Werk in Lake Mills und verlagert die Wohnmobil-Fertigung nach Forest City und bündelt damit die wichtigsten Produktionen an einem Standort.
- Europa, Campingplätze: Nach Angaben von ACSI nehmen von 10 000 europäischen Campingplätzen 90 nur Erwachsene auf, in fünf Jahren sind es 41 % mehr geworden. Die meisten solcher Plätze gibt es in Großbritannien und den Niederlanden.
- USA, Ranglisten: Zum besten Campingplatz des Landes kürte The Dyrt die Stellplätze entlang der Valley of the Gods Road in Utah — ohne Wasser, Strom und Schatten; die Hälfte der Top 10 entfällt auf kostenlose Zonen für freies Übernachten.
- Spanien, Investitionen: Der Camper-Hersteller Nomade Nation hat 1,8 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion und den Schritt nach Europa eingesammelt.
- Spanien, Infrastruktur: In Zierbena (Bizkaia) hat ein Stellplatz mit 30 Plätzen, Online-Buchung und Videoüberwachung eröffnet, die Investition lag bei über 400 000 Euro. Der Norden Spaniens schließt seinen alten Mangel an Stellplätzen schneller als der Süden.
- Spanien, Astronomie: Vor dem Messegelände von Saragossa reihten sich Wohnmobile aus Deutschland, Italien und Frankreich, die zur Sonnenfinsternis angereist waren — die Veranstalter rechneten damit, dass 57 % der Zuschauer aus dem Ausland kommen, die Hotels waren nahezu ausgebucht.
- Australien, Statistik: New South Wales ist mit 5,5 Millionen Reisen Spitzenreiter des Landes, in ganz Australien wurden im Jahr 17,3 Millionen Reisen mit Wohnwagen und Camping unternommen (+14 %).
- Frankreich, Geld: Wegen der hohen Kraftstoffpreise fahren Wohnmobilbesitzer weniger Kilometer und weichen auf Routen im eigenen Land aus, eine Nacht auf dem Campingplatz kostet rund 40 Euro. Die Vermietung von Wohnmobilen unter Privatleuten wächst — die Fahrzeuge stehen seltener still.
- USA, Technologie: Buckley Conversions hat den Innenausbau eines Campers auf einem Industrie-3D-Drucker gefertigt statt aus Holz und Aluminium — als Basis diente ein Mercedes-Benz eSprinter.
Wohin fahren
Costa da Morte, Galicien (Spanien), September. Die Atlantikküste Galiciens ist einer der seltenen Orte, an denen der September objektiv besser ist als der August: Die Menschenmengen ziehen ab, das Meer bleibt warm, und die berühmten örtlichen Nebel liefern genau das Licht, wegen dem Fotografen hierherkommen. Das Magazin Viajar hat eine Wohnmobilroute durch 17 Gemeinden mit Leuchttürmen und Steilküsten zusammengestellt, die man an einem Wochenende schafft — vom Kap Finisterre, das die Römer für das Ende der Welt hielten, bis zum Leuchtturm von Vilán. Die Straßen sind schmal, aber keine Bergstraßen, und die Abstände zwischen den Punkten sind kurz: Das ist eine Route zum langsamen Fahren mit langen Pausen, keine Etappenstrecke. Das Format passt einem Paar im kompakten Kastenwagen ebenso wie einer Familie mit Kindern — fast jeder Ort hat einen Strand mit Zugang. Beachten Sie zwei örtliche Besonderheiten: Freies Übernachten ist in Galicien nicht gern gesehen, Stellplätze buchen Sie besser vorab, und das Atlantikwetter schlägt binnen einer Stunde um, weshalb Regenschutz und geschlossene Schuhe auch bei Hitze nützlich sind. Wenn Sie schon lange nach Spanien wollten, aber vom überfüllten Mittelmeer genug haben — das ist Ihr Anlass.
Vorsicht
- Frankreich, Alpen und Bretagne, bis Oktober: Der Bürgermeister von Chamonix hat eine Verfügung unterzeichnet, die das nächtliche Abstellen von Wohnmobilen in Naturzonen und auf gewöhnlichen Parkplätzen von Mai bis Oktober verbietet, und in der Bretagne wurden die Stellplatzregeln so verschärft, dass ein Reisendenverband dagegen vor Gericht zieht. Führt Ihre Route über den Mont Blanc oder die bretonische Küste, buchen Sie den Campingplatz im Voraus und rechnen Sie nicht mit «wir übernachten auf dem Parkplatz an der Bergbahn» — in der Saison ist das ein sicheres Bußgeld.
- Frankreich, Waldbrände, aktuell: Im Pas-de-Calais wurden wegen zweier Brände rund 1200 Menschen von einem Campingplatz evakuiert, und auf der A46 bei Lyon geriet ein umgestürztes Wohnmobil in Brand, das Feuer griff auf die Vegetation über, die Autobahn wurde in beide Richtungen gesperrt und der Zugverkehr eingestellt. Bevor Sie in eine Waldregion fahren, abonnieren Sie die örtlichen Katastrophenwarnungen, halten Sie den Tank mindestens halb voll und schauen Sie beim Einchecken auf dem Platz sofort nach, ob es eine zweite Ausfahrt gibt.
- Japan, Aomori und Yamagata, August: Am Campingplatz «Nishihama» in Yuza wurde ein ausgewachsener Bär gesichtet — rund 130 Menschen wurden evakuiert, und in der Präfektur Aomori wurde der Campingplatz am Berg Bonjusan für die Nacht geschlossen, von 16 bis 9 Uhr. Wenn Sie in den Norden Japans fahren, prüfen Sie den Status des Platzes am Anreisetag, lassen Sie Essen und Müll nicht außerhalb des Fahrzeugs und nehmen Sie für Spaziergänge eine Glocke mit — genau das verlangen die örtlichen Regeln, nicht Mut.
- Türkei und Italien, Kontrollen und Verbote: Im türkischen Datça weisen Gendarmerie und Forstverwaltung Zelte und Wohnwagen aus den Wäldern und von der Küste, und die Gemeinde Cison di Valmarino hat das Abstellen von Wohnmobilen verboten, der Verband Ancc droht mit Klage. Prüfen Sie vor der Abfahrt die aktuellen Gemeindeverordnungen: Sommerverbote im Mittelmeerraum werden mit ein bis zwei Wochen Vorlauf erlassen, und das Schild an der Einfahrt steht früher da als die Nachricht.
Zum Schluss etwas Schönes
Zwei Geschichten, die man weiterschicken möchte.
Vierunddreißig Jahre am Steuer eines Lkw — und endlich die eigene Straße. Nenad Milovanović aus Belgrad hat seine Wohnung verkauft, einen Camper gekauft und ist seit vier Monaten durch Serbien unterwegs, wo er Schmuck aus Naturmaterialien fertigt. Zuvor arbeitete er vierunddreißig Jahre als Fernfahrer und überstand drei Herzinfarkte. Normalerweise erzählen solche Geschichten junge Leute, die «alles hingeworfen» haben; hier hat ein Mensch sein ganzes Leben in der Fahrerkabine auf fremder Route verbracht und ist am Ende seine eigene gefahren.
Ein Hof, auf dem die Übernachtung gratis ist und die Nachbarn Ziegen sind. Der normannische Hof La Chèvre Rit nimmt seit 2020 kostenlos Wohnmobile auf, im Juli 2026 standen dort 70 Fahrzeuge; die Besitzerin will noch Schließfächer für Reisende einrichten. Während Städte in ganz Europa Schranken aufstellen und Nachtverbote erlassen, macht das Dorf in aller Ruhe das Gegenteil — und die Schlange der Interessenten reißt nicht ab.
Fragen der Woche
Wann kann man den elektrischen VW California kaufen?
Die Serienversion ist für 2028 angekündigt, auf dem Caravan Salon in Düsseldorf vom 28. August bis 6. September wird nur die Studie gezeigt — der ID. California Cruise auf Basis des ID. Buzz. Die genannten Daten: 86 kWh Batterie und bis zu 455 Kilometer Reichweite. Unabhängig davon startet noch in diesem Jahr für den ID. Buzz die Bestellung des «Gute Nacht»-Pakets mit Bett, Verdunkelung und Nachtmodus für bis zu 48 Stunden sowie bis zu 2000 Watt Abgabeleistung — verfügbar ab September, dafür müssen Sie nicht bis 2028 warten.
Was tun, wenn in der Nähe des Campingplatzes ein Bär gesichtet wurde?
Den Anweisungen der Platzleitung folgen und die Schließung nicht für übertriebene Vorsicht halten: In Yamagata wurden beim Auftauchen eines Bären rund 130 Menschen evakuiert, und in Aomori wird der Campingplatz für die Nacht schlicht geschlossen, von 16 bis 9 Uhr. Der praktische Teil ist einfach: Sämtliche Lebensmittel, Müll und Geschirr gehören ins Fahrzeug, nicht ins Vorzelt und nicht auf den Tisch; kochen Sie besser nicht dort, wo Sie schlafen; nehmen Sie auf Spaziergänge eine Glocke oder eine andere Geräuschquelle mit. Und prüfen Sie den Status des Platzes am Anreisetag — in Japan wird über Schließungen innerhalb weniger Stunden entschieden.
Wann fährt man mit dem Wohnmobil am besten nach Galicien?
Im September. Die Sommermengen ziehen ab, der Ozean bleibt warm, und das atlantische Licht ist zu dieser Zeit das beste im Jahr. Eine fertige Variante ist die Route entlang der Costa da Morte durch 17 Gemeinden mit Leuchttürmen und Steilküsten, die man an einem Wochenende schafft, von Finisterre bis zum Leuchtturm von Vilán. Zwei Einschränkungen: Freies Übernachten ist in Galicien nicht erwünscht, Stellplätze buchen Sie daher besser vorab, und das Wetter an der Küste schlägt binnen einer Stunde um — warme Sachen brauchen Sie auch in einer heißen Woche.
Stimmt es, dass es immer mehr Campingplätze «nur für Erwachsene» gibt?
Ja, aber es sind nach wie vor sehr wenige. Nach Angaben von ACSI setzen von 10 000 europäischen Campingplätzen 90 auf das Format «nur für Erwachsene». Der Zuwachs ist dabei deutlich: Vor fünf Jahren waren es 64, also plus 41 %. Die meisten solcher Plätze gibt es in Großbritannien und den Niederlanden. Wenn Sie mit Kindern reisen, achten Sie vorab auf den Hinweis «adults only» in der Beschreibung — vor Ort werden Sie schlicht nicht eingecheckt, und in der Hochsaison findet sich in der Nähe womöglich keine freie Alternative.
Wo kann man kostenlos übernachten, wenn freies Campen immer häufiger verboten wird?
Immer öfter bei Landwirten und kleinen Erzeugern. Der normannische Hof La Chèvre Rit nimmt seit 2020 kostenlos Wohnmobile auf, im Juli 2026 standen dort 70 Fahrzeuge; in Frankreich gibt es Hunderte solcher Höfe, und sie rechnen üblicherweise nicht mit einer Gebühr, sondern damit, dass Sie etwas kaufen — Käse, Wein, Honig. Die Höflichkeitsregeln sind überall gleich: vorher absprechen, bei Tageslicht ankommen, Markise und Tisch nicht über den ganzen Hof ausbreiten, morgens weiterfahren und den Platz sauberer hinterlassen, als Sie ihn vorgefunden haben.
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