Mercedes-Benz hat Westfalia die Montage des Marco Polo abgenommen und baut den Campervan jetzt im eigenen Werk bei Berlin. Bulgarien verpflichtet die Versicherer zu Policen ab 30 Tagen für Wohnmobile. Das Stellplatznetz Camping-Car Park zählte im September 20 % mehr Übernachtungen als vor einem Jahr. Diesel wurde in den Niederlanden und in Polen binnen einer Woche um 3,9–4,6 % billiger.
Das Wichtigste der Woche
- Mercedes-Benz baut den Marco Polo erstmals selbst: Seit 1984 hatte Westfalia den Campervan ausgebaut, jetzt entsteht er im Mercedes-Werk Ludwigsfelde bei Berlin. In Frankreich kostet er 96.638 € bis 103.817 €.
- In Locquirec an der Nordküste der Bretagne hat ein Wohnmobilstellplatz mit 17 Plätzen direkt am Meer eröffnet. Ein Tag mit Wasser und Strom kostet 18,44 €.
- Trabada und Ribadeo in Galicien begrenzen, wie lange ein Wohnmobil an einem Ort stehen darf. Wer dagegen verstößt, zahlt bis zu 3000 €.
- Der Stadtrat von Seattle stimmt am 20. Oktober über ein Übernachtungsverbot für Wohnmobile auf der Straße ab. Der Stadtrat von Palo Alto berät am 19. Oktober über ein nächtliches Verbot in der Nähe von Wohnhäusern.
- Mücahit Güller aus Karabük (Türkei) hat in drei Jahren einen Magirus-Lkw, Baujahr 2004, in Eigenarbeit zum Wohnmobil umgebaut. Damit fuhren er und seine Braut zu ihrer eigenen Hochzeit.
Mercedes baut den Marco Polo selbst in Ludwigsfelde: Das neue Dach bringt 10 cm mehr Höhe, Preis ab 96.638 €
Seit 1984 hat Westfalia den Marco Polo für Mercedes-Benz gebaut. Die Firma nahm einen Van der V-Klasse, schnitt die Öffnung für das Aufstelldach mit Schlafplatz aus und baute Küche und Möbel ein. Diese Arbeit erledigt Mercedes jetzt selbst. Mercedes hat die Montage ins Werk Ludwigsfelde südlich von Berlin verlegt, wo bereits Sprinter und eSprinter vom Band laufen. Dort hat Mercedes dafür eine eigene Halle eröffnet. Der Basis-Van kommt weiterhin aus dem spanischen Werk in Vitoria-Gasteiz.
Zugleich hat der Marco Polo ein neues Aufstelldach bekommen: aus Aluminium statt aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Aufgestellt bietet es hinten 10 cm mehr Höhe als das alte. Die Außenmaße bleiben gleich: 5,14 m Länge und 1,99 m Höhe bei geschlossenem Dach. Durch eine Parkhauseinfahrt mit 2 m Höhenbegrenzung passt der Wagen also mit 1 cm Luft, mit Dachbox oder Fahrradträger auf dem Dach nicht mehr. In Frankreich stehen die Preise fest: 96.638 € für den 220 d, 98.815 € für den 250 d und 103.817 € für den 300 d. Die Zahl im Namen steht für den Motor. Alle drei sind 2-Liter-Diesel mit 163, 190 und 237 PS. Ein Panoramadach mit Ausstellfenster kündigt Mercedes für Ende 2026 an.
Volkswagen baut seinen California schon lange selbst, im Werk Hannover. Nun verantwortet auch Mercedes den ganzen Campervan, vom Van bis zur Küche. Für Käufer kann das die Garantie einfacher machen: Aufstelldach und Möbel baut jetzt der Autohersteller selbst ein und nicht mehr eine fremde Firma.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie einen Marco Polo ins Auge fassen, setzen Sie sich vor der Unterschrift unter das aufgestellte Dach: Die 10 cm mehr Höhe hinten beurteilen Sie im Fahrzeug besser als im Katalog. Fahren Sie mit Dachbox oder Fahrradträger, rechnen Sie deren Höhe zu den 1,99 m hinzu, bevor Sie in eine Tiefgarage einfahren. Kalkulieren Sie mit dem Preis inklusive der Extras, die Sie wirklich brauchen, nicht mit dem Einstiegspreis: In Spanien kostet die Basisversion 94.409 €, voll ausgestattet sind es über 120.000 €. Möchten Sie das Panoramadach mit Ausstellfenster, fragen Sie Ihren Händler, ab wann es bestellbar ist: Es kommt erst Ende des Jahres.
Zahl der Woche: Diesel in den Niederlanden 4,6 % billiger
In den 27 EU-Ländern hat sich der Dieselpreis binnen einer Woche kaum bewegt: Die mittlere Veränderung (Median) liegt bei −0,04 %. Von den 154 Ländern, deren Preise OpenVan.camp verfolgt, wurde Diesel in 42 teurer und in 40 billiger. Am stärksten fiel er in den Niederlanden: von 2,62 auf 2,50 € je Liter. Der Preis sinkt dort die dritte Woche in Folge, Ende September lag er noch bei 2,70 €. In Polen sank Diesel von 8,29 auf 7,97 Złoty (−3,9 %). Seit dem Höchststand von 8,85 Złoty vor zwei Wochen sind das fast 10 %. In Luxemburg dagegen stieg Diesel um knapp 8 Cent auf 2,06 € je Liter (+3,9 %).
Bei einem 80-Liter-Tank kostet eine Füllung in den Niederlanden jetzt rund 10 € weniger als vor einer Woche. Teurer als bei den Nachbarn bleibt Diesel dort trotzdem: In Deutschland kostet der Liter etwa 2,25 €, in Belgien etwa 2,42 €. Fahren Sie durch Polen, tanken Sie dort: 7,97 Złoty sind umgerechnet etwa 1,80 € je Liter, deutlich weniger als in Deutschland. Die Preise aller Länder aktualisieren wir jedes Wochenende auf der Seite „Kraftstoffpreise“.
Kurz gemeldet
- Bulgarien, Versicherung · beschlossen: Das Parlament verpflichtet die Versicherer, Haftpflichtpolicen für 30 Tage, drei oder sechs Monate anzubieten, und zwar für Wohnmobile, Wohnwagen und Motorräder. Bisher lehnten viele Gesellschaften solche Verträge ab. Wer sein Wohnmobil nur im Sommer fährt, kann künftig nur für diese Monate zahlen statt für das ganze Jahr. Die Preise der kurzen Policen legen die Versicherer selbst fest. Die Änderungen treten mit der Veröffentlichung im Amtsblatt „Darschawen Westnik“ in Kraft.
- Luxemburg, Stellplätze · geplant: Das Wirtschaftsministerium hat ein Projekt für ein Netz von Wohnmobilstellplätzen gestartet, in zwei Kategorien: Standard und Premium. Gemeinden und gemeinnützige Organisationen bekommen für den Bau Geld vom Staat. Außerhalb erlaubter Plätze zu übernachten ist verboten. Am Obersauer-Stausee gab es seit Jahresbeginn allerdings nur 18 Anzeigen und Bußgelder. Die Strafen reichen von 24 bis 1000 €.
- Niederlande, Wohnmobil am Haus · Gerichtsurteil: Der Raad van State, das höchste Verwaltungsgericht des Landes, hat entschieden: Ein Wohnmobil auf einem Privatgrundstück gilt als geparkt und nicht als eingelagert, wenn es tatsächlich genutzt wird. Die Gemeinde muss es dann nicht entfernen lassen. Ein Anwohner in Boxtel wollte die Gemeinde zwingen, die Wohnmobile vom Nachbargrundstück entfernen zu lassen, und verlor. Die Grenze von drei Tagen für das Parken auf öffentlichen Straßen gilt weiterhin.
- Frankreich, Nachfrage: Das Stellplatznetz Camping-Car Park zählte im September 704.153 Übernachtungen. Das sind 20,2 % mehr als im September 2025 und 10,6 % mehr als im Juli, obwohl der September einen Tag kürzer ist. Wenn Sie im nächsten September nach Frankreich fahren wollen, reservieren Sie beliebte Stellplätze am Meer frühzeitig.
- USA, Miete: Laut dem Portal Campstar kostet ein Mietwohnmobil in den USA 2026 im Schnitt 152 € pro Tag, 2022 waren es 227 €. Zwei Wochen im Wohnmobil kosten im Schnitt 2128 € statt 3178 €. In Deutschland ist die Miete binnen eines Jahres leicht gestiegen: 130 € pro Tag gegenüber 127 € im Jahr 2025.
- Australien, Markt: 2025 waren im Land fast 938.000 Wohnwagen und Campervans zugelassen, 32 % mehr als 2019. Manche Besitzer tauschen große Wohnwagen gegen kompakte Campervans: Die sind leichter zu fahren und fallen auf dem Stellplatz weniger auf.
- USA, Winnebagoⓘ: Der amerikanische Wohnmobilhersteller entlässt am 9. November weitere 51 Beschäftigte im Werk Forest City (Iowa). Insgesamt baut das Werk in diesem Jahr 78 Stellen ab: Winnebago konzentriert die Produktion in Iowa und Indiana auf weniger Werke.
Reisetipp
Die Nordküste der Bretagne (Frankreich) im Oktober. In Locquirec (Département Finistère) hat ein Wohnmobilstellplatz mit 17 Plätzen direkt am Meer eröffnet. Ein Tag kostet 18,44 €, Ver- und Entsorgung, Trinkwasser und Strom sind inklusive. Den Preis sehen Besucher unterschiedlich: Manchen ist er zu hoch, andere finden, der Meerblick ist ihn wert. Im Oktober sind die Sommergäste weg, und das Wetter reicht noch für Spaziergänge am Strand. Nach Morlaix fahren Sie etwa eine halbe Stunde, zur Côte de Granit Rose etwa eine Stunde. Wenn Sie im Frühjahr weiter nach Osten in die Normandie fahren: In Barneville-Carteret eröffnet bis Ostern 2027 ein Stellplatz mit 36 Plätzen. Die Nacht kostet dort 15 €, alles inklusive.
Vorsicht
- Spanien, Galicien · gilt: Die Gemeinden Trabada und Ribadeo in der Region A Mariña (Provinz Lugo) haben Regeln für das Parken von Wohnmobilen erlassen. Verboten ist, Stühle und Markisen aufzustellen, außerhalb der dafür vorgesehenen Stellen zu entsorgen und länger als erlaubt stehen zu bleiben: In Trabada dürfen Sie auf den ausgewiesenen Plätzen bis zu vier Tage am Stück bleiben, in Ribadeo höchstens 48 Stunden am Stück und 72 Stunden pro Woche. Die Bußgelder reichen von 200 bis 3000 €. Die Nachbargemeinde Xove berät die gleichen Regeln noch bis zum 30. Oktober mit den Bürgern. Der Bürgermeister von Ribadeo erklärt den Unterschied: Parken darf ein Wohnmobil auf einem Parkplatz, übernachten darf man darin aber nur dort, wo es erlaubt ist. Suchen Sie offizielle Stellplätze vorab heraus.
- USA, Seattle und Palo Alto · Vorschlag: Der Stadtrat von Seattle stimmt am 20. Oktober über neue Regeln ab: Übernachten im Wohnmobil auf der Straße wäre dann verboten, tagsüber dürfte man höchstens zwei Stunden stehen. Ausgenommen sind Einheimische, die in ihren Fahrzeugen leben und eine kostenlose Genehmigung bekommen. Der Stadtrat von Palo Alto berät am 19. Oktober über ein Parkverbot von 20 bis 8 Uhr im Umkreis von 30 m um Wohnhäuser. Wenn Sie durch Seattle oder Palo Alto fahren, suchen Sie sich den Platz für die Nacht vorher und nicht erst am Straßenrand.
- Deutschland und Kroatien, Diebstahl: In München wurde ein Fiat-Wohnmobil samt Gepäck und zwei E-Bikes gestohlen. Der Besitzer hatte es zwei Tage auf der Straße stehen lassen. In Varaždin stahlen Unbekannte aus dem Wohnmobil eines Urlaubers aus Slowenien das Navi und ein E-Bike. Lassen Sie Ihr Fahrzeug länger auf der Straße stehen, nehmen Sie Fahrräder und Wertsachen heraus und lassen Sie das Navi nicht sichtbar liegen.
- Italien, Brand: In Quartu auf Sardinien fing ein Wohnmobil, das im Hof eines Wohnhauses stand, Feuer. Nach einer Quelle explodierte eine Gasflasche, nach einer anderen war es ein Kurzschluss. Verletzt wurde niemand. Prüfen Sie vor den ersten kalten Nächten Gasschläuche, Druckregler und Elektrik. Hat Ihr Fahrzeug keinen Gaswarner, bauen Sie einen ein.
Termine der Woche: 19. bis 26. Oktober
- 22. bis 25. Oktober, Soumoulou (Frankreich): Wohnmobilmesse VIVA Camping-Car, durchgehend von 10 bis 19 Uhr.
- 22. bis 25. Oktober, Saint-Étienne (Frankreich): regionale Messe für Wohnmobile und Campervans, Eintritt 5 €, Kinder unter 16 Jahren frei.
- 22. bis 26. Oktober, Bern (Schweiz): Suisse Caravan Salon mit rund 400 Ausstellern, Erwachsene CHF 17, am Montag CHF 12.
- 23. bis 25. Oktober, Cehegín (Spanien): Treffen zum 20-jährigen Bestehen des Wohnmobilclubs AC-MUR aus Murcia, die Veranstalter erwarten rund 250 Teilnehmer.
- 23. bis 25. Oktober, Mollerussa (Spanien): Gebrauchtfahrzeugmesse Autotardor mit rund 400 Gebrauchtfahrzeugen, darunter Wohnwagen und Wohnmobile.
- 23. bis 26. Oktober, Tours (Frankreich): Messe Tours Auto & Mobile mit eigenem Bereich für Wohnmobile, Eintritt im Vorverkauf 5 €.
- 24. bis 25. Oktober, Osaka (Japan): Osaka Camping Car Fair: japanische Wohnmobile auf Basis von Kleinstwagen und Kastenwagen, Tickets nur online, ¥800.
Community der Woche
Camp Circle: Wen treffe ich unterwegs? Camp Circle ist eine kostenlose Online-Community aus Deutschland für alle, die mit Wohnmobil oder Wohnwagen reisen. Betrieben wird sie von Mike und Mirco, die selbst so unterwegs sind. Registrierte Mitglieder sehen, wer gerade in der Nähe steht, schreiben im gemeinsamen Feed und empfehlen einander Campingplätze und private Stellplätze. Vom 15. bis 22. Mai 2027 treffen sich die Mitglieder auf dem Nymindegab Familie Camping an der dänischen Nordseeküste. Die Community hat auch einen eigenen Bereich „Gay Camping“, und das Treffen steht allen offen. Die Registrierung auf camp-circle.de ist kostenlos. Für das Treffen können Sie sich bis zum 31. Januar 2027 anmelden. Den Platz auf dem Campingplatz buchen und bezahlen Sie separat.
Zum Schluss etwas Schönes
Mit dem Wohnmobil zur Hochzeit. Mücahit Güller aus Karabük im Norden der Türkei hat in drei Jahren einen Magirus-Lkw, Baujahr 2004, in Eigenarbeit zum Wohnmobil umgebaut. Seine Braut Rukiye hatte 15 Jahre von einem Zuhause auf Rädern geträumt. Möbel und Innenausbau machte das Paar selbst, dabei half Mücahits Erfahrung: Er arbeitet in der Möbelbranche. Das fertige Wohnmobil wurde ihr Hochzeitsauto.
Im Campingfahrzeug durch die Nationalparks der USA. Eugene Breindel ist 71 und lebt seit 2018 in einem zusammenklappbaren Campingfahrzeug von rund 4 Metern Länge mit vier flexiblen Solarmodulen. Seit September 2019 hat er 284 Stätten des US-Nationalparkdienstes besucht: neben Parks auch Naturdenkmäler und historische Orte. Übernachtet hat er in allen 48 zusammenhängenden Bundesstaaten, also überall außer in Alaska und auf Hawaii. Den Winter verbringt er in Quartzsite (Arizona), den Herbst in Texas. Selbst beim Parken richtet er das Fahrzeug bewusst nach der Sonne aus, denn davon hängt ab, wie gut der Kühlschrank arbeitet. Wegen Knie- und Rückenschmerzen fragt er sich inzwischen, wie lange er noch so leben kann.