In der vergangenen Woche war in der Wohnmobilwelt einiges los: In Deutschland gingen die Verkäufe neuer Wohnmobile und Wohnwagen im dritten Jahr in Folge zurück, während der Münchner Campervermieter Vanever Insolvenz anmeldete; auf Teneriffa wurde die vierte kostenlose Ver- und Entsorgungsstation eröffnet, nun auch im Norden der Insel; im portugiesischen Sesimbra erhielten Wohnmobilbesitzer an nur einem Tag 18 Bußgeldbescheide; und im französischen Beaugency kamen 137 historische Wohnwagen zusammen, von denen der älteste aus dem Jahr 1934 stammt und noch immer fahrbereit ist.
Das Wichtigste der vergangenen Woche
- In den ersten sieben Monaten 2026 wurden in Deutschland 63.329 neue Wohnmobile und Wohnwagen zugelassen – 3 % weniger als im Vorjahreszeitraum; bei den Wohnmobilen fiel der Rückgang mit 3,3 % auf 50.118 Fahrzeuge stärker aus.
- Die Inselverwaltung von Teneriffa eröffnete in La Guancha die erste kostenlose öffentliche Ver- und Entsorgungsstation im Norden der Insel – die vierte auf Teneriffa; zwei zuvor eröffnete Stationen wurden im ersten Monat von 166 Reisenden mit Wohnmobil oder Wohnwagen genutzt.
- Am 18. August kontrollierte der Umwelt- und Naturschutzdienst der portugiesischen GNR ein wildes Camp in Sesimbra und stellte 18 Bußgeldbescheide wegen falsch geparkter Wohnmobile aus.
- In Spanien müssen als Wohnfahrzeuge genutzte Lieferwagen, die älter als zehn Jahre sind, alle sechs Monate zur Hauptuntersuchung – eine Umschreibung zum Wohnmobil verlängert das Prüfintervall.
- Vom 18. bis 23. August fand in Beaugency an der Loire das 30. Treffen des französischen Retro Camping Club statt: 137 Wohnwagen, der älteste Baujahr 1934, und alle fahrbereit.
Wohnmobilverkäufe in Deutschland sinken im dritten Jahr in Folge
Deutschland ist Europas größter Markt für Wohnmobile, und seine Zahlen zeigen gewöhnlich, wohin sich die gesamte Branche bewegt. Der Caravaning Industrie Verband CIVD (Verband der deutschen Hersteller von Wohnmobilen, Wohnwagen und Zubehör) veröffentlichte die Statistik für die ersten sieben Monate 2026: 63.329 Neuzulassungen und damit 3 % weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Wohnmobile verloren 3,3 % und kamen auf 50.118 Fahrzeuge, die Wohnwagen gaben mit 1,9 % auf 13.211 etwas weniger nach. Bereits 2025 war der Markt um 2,3 % geschrumpft, damit ist dies das dritte Jahr mit einem Rückgang.
Genannt werden zwei Gründe, die beide den Alltag der Käufer betreffen. Der erste ist die schwache Konjunktur in Verbindung mit hohen Preisen: Viele Menschen verschieben eine große Anschaffung schlicht. Der zweite sind die Lagerbestände. Während der Pandemie war die Nachfrage so hoch, dass die Hersteller große Vorräte aufbauten, und ein Teil dieser Fahrzeuge ist bis heute unverkauft. Gleichzeitig gerät auch der Mietmarkt ins Wanken: Die Münchner FreeVenture GmbH, Betreiberin der Wohnmobilvermietung Vanever, stellte am 7. August einen Insolvenzantrag, den das Gericht am 12. August annahm; seit dem 16. August hat das Unternehmen den Betrieb eingestellt. Als Gründe gelten gestiegene Kraftstoffpreise, ein verändertes Kundenverhalten und der gekündigte Vertrag mit einem wichtigen Fahrzeuglieferanten. Wer eine Buchung bereits bezahlt hat, muss seine Forderung im Insolvenzverfahren anmelden oder die Erstattung über den Zahlungsdienstleister klären.
Nach außen wirkt die Branche dennoch auf Wachstumskurs. Der 65. Caravan Salon in Düsseldorf, der am 28. August eröffnet, bringt mehr als 830 Aussteller zusammen, nach dem bisherigen Rekord von 810 im Vorjahr, und erwartet eine Viertelmillion Besucher. CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso bezeichnet die Entwicklung als normale Korrektur und nicht als Schrumpfen des Marktes. Eine Messe mit einer Rekordzahl an Ständen bei sinkender Nachfrage bedeutet jedoch vor allem eines: Der Wettbewerb um Käufer wird schärfer, und der Verhandlungsspielraum größer.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie den Kauf eines neuen Wohnmobils geplant haben, ist dies ein gutes Jahr zum Verhandeln. Händler wollen unverkaufte Lagerfahrzeuge der Modelljahre 2024 und 2025 dringender loswerden, als Sie sie kaufen müssen, und die Rekordmesse in Düsseldorf macht den Spätherbst zur besten Zeit, um nach einem Rabatt und kostenloser Zusatzausstattung zu fragen. Wenn Sie sich auf dem Gebrauchtmarkt umsehen, überstürzen Sie nichts: Werden Neufahrzeuge günstiger, folgen die Preise für drei bis fünf Jahre alte Fahrzeuge meist nach. Planen Sie eine Reise mit einem gemieteten Camper, ist die Geschichte von Vanever eine klare Warnung: Zahlen Sie per Karte oder über einen Zahlungsdienst mit Erstattungsmöglichkeit, überweisen Sie keine hohe Vorauszahlung direkt auf das Firmenkonto und buchen Sie bei einem kleinen Vermieter nicht ein halbes Jahr im Voraus. Halten Sie außerdem einen Plan B bereit: Bei einer Stornierung mitten in der Hochsaison müssen Sie ein verfügbares Fahrzeug womöglich teurer und weiter entfernt von Ihrem Wohnort suchen.
In Kürze
- USA, Design: Airstreamⓘ hat das italienische Designstudio Pininfarina mit der Neugestaltung seiner Wohnwagen beauftragt – dasselbe Büro entwarf Ferrari- und Maserati-Modelle. Erste Ergebnisse sollen bis zum 100-jährigen Markenjubiläum 2031 zu sehen sein, die legendäre „Silberzigarre“ wird also mit großer Vorsicht überarbeitet.
- USA, Neuheiten: Winnebagoⓘ stellte das geländegängige Wohnmobil Arka auf Basis des Ram 5500 für 332.000 US-Dollar vor – bis zu 14 Tage ohne Wasser- und Stromanschluss, allerdings trennt nur ein Vorhang die Toilette vom Schlafbereich.
- USA, günstigere Alternative: Die Marke Hunker brachte das herausnehmbare Hunker-Pod-Modul für 32.995 US-Dollar auf den US-Markt. Es verwandelt einen leeren Ram Promaster innerhalb einer Stunde und ohne Bohrungen in der Karosserie in einen Camper. Zusammen mit einem gebrauchten Lieferwagen kostet das Paket ab 55.000 US-Dollar.
- Deutschland, Technik: Sealander verkauft einen Wohnwagen, der zu Wasser gelassen und mit einem Außenbordmotor gefahren werden kann – 750 kg, zwei Schlafplätze und 39.750 Euro ohne Motor.
- China, Politik: Das Ministerium für Kultur und Tourismus kündigte Maßnahmen zur Förderung des Wohnmobiltourismus an – vorgesehen sind ein besserer Zugang zu Naturgebieten und Kaufanreize. In einem Land, in dem Übernachtungen in Fahrzeugen bereits weitverbreitet sind, ist dies ein erster Schritt zu einer regulären Infrastruktur.
- Spanien, Hauptuntersuchung: Als Wohnfahrzeuge genutzte Lieferwagen, die älter als zehn Jahre sind, müssen alle sechs Monate zur Hauptuntersuchung; eine offizielle Umschreibung zum Wohnmobil ermöglicht längere Intervalle.
- Frankreich, Gericht: Ein Verwaltungsgericht erklärte Höhenbegrenzungen und Verbotsschilder für Wohnmobile in La Faute-sur-Mer und Longeville-sur-Mer für rechtswidrig – die Gemeinden müssen sie entfernen.
- Japan, Pilotprojekt: Der Tourismusverband des Ferienortes Shikabe vermietet seit dem 16. August Wohnwagen zum Übernachten direkt an einer Raststation – zunächst als Pilotprojekt.
- Japan, Katastrophenschutz: Die Stadt Matsue vereinbarte mit einem privaten Unternehmen die Anmietung von Wohnwagen bei Erdbeben und Starkregen – sie sollen an Evakuierungsstellen als medizinische Stationen und Isolierräume eingesetzt werden.
- Südkorea, Versteigerung: Die Stadt Yeongju bietet zwölf alte Wohnwagen vom Campingplatz am Yeongjuho-See auf der öffentlichen Auktionsplattform Onbid an – im Zuge der Modernisierung des Platzes werden sie durch neue ersetzt.
- USA, Investitionen: Elite Casino Resorts begann in Iowa mit dem Bau des 35 Millionen US-Dollar teuren Blackjack-Beach-Komplexes – ein Wasserpark kombiniert mit einem Wohnmobilstellplatz.
- Deutschland, Campingplätze: Der ADAC wandelt einen Teil des Campingplatzes am Möhnesee in 116 Wohnmobilstellplätze um und ersetzt damit Dauercampingplätze – der Rückbau im unteren Bereich beginnt im September.
Reiseziel der Woche
Teneriffa, Kanarische Inseln (Spanien), Herbst und Winter. Die Kanaren sind ein logisches Ziel gerade dann, wenn das europäische Festland die Saison beendet: Von Oktober bis Februar liegen die Temperaturen auf Teneriffa bei +20 bis +24 °C, während Camping- und Stellplätze nicht überfüllt sind. Das größte Alltagsproblem für Wohnmobilreisende war bislang, dass sich Tanks kaum legal entleeren ließen. Nun ist es deutlich einfacher: Die Inselverwaltung von Teneriffa eröffnete im Logistikzentrum von La Guancha eine kostenlose Station für Grau- und Schwarzwasser mit Trinkwasserversorgung – die erste im Norden der Insel und die vierte auf Teneriffa. Der Norden eignet sich besonders für eine langsame Reise: die feuchten Lorbeerwälder von Anaga, die Serpentinen oberhalb von Taganana, die Bananenterrassen von La Guancha und Icod de los Vinos und anschließend der Aufstieg zum Teide, wo über den Wolken eine vulkanische Wüste liegt. Die beiden Stationen in Arona und Jagua wurden im ersten Monat von 166 Wohnmobil- und Wohnwagenreisenden genutzt; die Behörden versprechen, an allen Abfallsammelstellen der Insel solche Entsorgungsstationen einzurichten. Wenn Sie eine Überwinterung auf den Kanaren bisher wegen der schwierigen Versorgungslogistik aufgeschoben haben, ist diese Saison eine gute Gelegenheit.
Vorsicht
- Portugal, Sesimbra, aktuell: Der Umwelt- und Naturschutzdienst der GNR stellte bei einer einzigen Kontrolle am 18. August 18 Bußgeldbescheide auf einem wilden Wohnmobilstellplatz aus. An Portugals Küste ist eine Übernachtung außerhalb eines Campingplatzes keine Grauzone, sondern ein Verstoß, der mit einem Bußgeld geahndet wird: Nutzen Sie einen offiziellen Stellplatz oder ein Privatgrundstück mit Erlaubnis des Eigentümers.
- Italien, Syrakus, Sommer: Die Küstenwache verhängte gegen einen Campingplatz und einen Wohnmobilstellplatz in Pachino und Portopalo Bußgelder wegen illegaler Abwassereinleitung. In Italien können sowohl der Betreiber als auch der Fahrer belangt werden – entsorgen Sie Abwasser ausschließlich an ausgewiesenen Stationen und lassen Sie sich vom Platzbetreiber zeigen, wohin es tatsächlich geleitet wird.
- Isle of Man, Douglas, Renntage: Für Wohnmobile gelten während des Manx Grand Prix Parkbeschränkungen an der Promenade von Douglas. Wenn Sie zu einem großen Rennen reisen, reservieren Sie Ihren Stellplatz im Voraus und verlassen Sie sich nicht darauf, dort zu stehen, „wo alle stehen“ – während der Veranstaltung werden gewohnte Flächen gesperrt.
- Spanien, Bueu (Galicien), aktuell: Die Gemeinde stellte fest, dass Entleerungen aus Wohnmobilen die Strandtoiletten verstopfen, und forderte Besucher auf, dies zu unterlassen. Eine Strandtoilette ist keine Entsorgungsstation: Eine einzige solche Entleerung kann dazu führen, dass die Stadt Wohnmobilen die Zufahrt vollständig sperrt, wie es an der spanischen Küste bereits geschehen ist.
Zum guten Schluss
Zwei Geschichten, die man gern weiterleitet.
Zwölf Jahre unterwegs, damit seine Frau das Land sehen kann. Der 69-jährige Liu Peijin aus dem chinesischen Weifang baute einen siebensitzigen Minivan selbst zum Wohnfahrzeug um, weil seine Frau infolge von Diabetes teilweise gelähmt ist und gewöhnliche Reisen für sie nicht möglich sind. Seitdem hat das Paar 31 Provinzen Chinas bereist – mehr als zehn Jahre unterwegs. Er baute nicht das Wohnmobil seiner Träume, sondern eine Möglichkeit, nicht zu Hause bleiben zu müssen.
137 Wohnwagen, der älteste 92 Jahre alt. Vom 18. bis 23. August fand in Beaugency an der Loire das 30. Treffen des französischen Retro Camping Club statt: 137 historische Wohnwagen, der älteste aus dem Jahr 1934. Dabei handelt es sich nicht um Museumsstücke, sondern um fahrbereite Fahrzeuge, die aus eigener Kraft angereist sind. Auch die Ausstattung der jeweiligen Epoche wird von den Teilnehmern gepflegt – vom Geschirr bis zur Kleidung.
Fragen der Woche
Lohnt es sich, auf Rabatte für neue Wohnmobile in Deutschland zu warten?
Ja, und der Herbst ist ein guter Zeitpunkt, danach zu fragen. In den ersten sieben Monaten 2026 sanken die Zulassungen um 3 % auf 63.329 Fahrzeuge, der Rückgang hält im dritten Jahr an, und bei den Herstellern stehen noch unverkaufte Lagerbestände aus dem Pandemieboom. Gleichzeitig präsentieren sich ab dem 28. August mehr als 830 Unternehmen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf – ein Rekord. Mehr Verkäufer bei weniger Käufern bedeutet, dass Verhandlungen und kostenlose Extras zur normalen Kaufberatung gehören und nicht als unverschämte Forderung gelten.
Wie oft muss ein Camper in Spanien zur Hauptuntersuchung?
Ein als Wohnfahrzeug genutzter Lieferwagen, der älter als zehn Jahre ist, muss alle sechs Monate zur Hauptuntersuchung. Wird das Fahrzeug offiziell als Wohnmobil umgeschrieben, verlängert sich das Intervall. Prüfen Sie in den Papieren, welcher Kategorie Ihr Fahrzeug zugeordnet ist: Der Unterschied zwischen „Lieferwagen mit Wohnnutzung“ und „Wohnmobil“ macht hier zwei Prüftermine pro Jahr aus.
Wo kann man auf Teneriffa kostenlos die Tanks entleeren?
Inzwischen an vier Orten. Einer davon ist neu und liegt im Logistikzentrum von La Guancha im Norden der Insel: Dort können Grau- und Schwarzwasser kostenlos entsorgt und Trinkwasser aufgefüllt werden. Zwei weitere Stationen befinden sich in Arona und Jagua. Die Inselverwaltung verspricht solche Einrichtungen an allen Abfallsammelstellen der Insel; prüfen Sie daher vor der Reise am besten die aktuelle Liste.
Darf eine Gemeinde Wohnmobilen die Zufahrt zu einem Parkplatz einfach versperren?
Nein, und in Frankreich hat ein Gericht dies gerade bestätigt: Die in La Faute-sur-Mer und Longeville-sur-Mer aufgestellten Höhenbegrenzungen und Schilder wurden für rechtswidrig erklärt, die Gemeinden müssen sie entfernen. Ein Verbot muss begründet und ordnungsgemäß angeordnet sein, sonst kann es angefochten werden. Wenn Ihnen eine Beschränkung willkürlich erscheint, fragen Sie im Rathaus nach Nummer und Datum der zugrunde liegenden Verordnung.
Kann man aus einem gewöhnlichen Lieferwagen einen Camper machen, ohne ihn umzubauen?
Ja, sofern das Fahrzeugmodell geeignet ist. Der US-amerikanische Hunker Pod ist ein herausnehmbares Modul mit Küche, Sitzgruppe, Schlafplatz und Toilette, das innerhalb einer Stunde in einen leeren Ram Promaster eingesetzt wird und keine Bohrungen in der Karosserie erfordert. Es kostet 32.995 US-Dollar, zusammen mit einem gebrauchten Lieferwagen beginnt das Paket bei 55.000 US-Dollar. Vergleichbare Systeme gibt es auch in Europa, woher die Idee stammt. Der Vorteil einer solchen Lösung liegt nicht im Preis, sondern darin, dass sie sich rückgängig machen lässt: Das Modul kann herausgenommen und das Fahrzeug wieder als Transporter genutzt werden.
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